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Der Intelligenztest macht Intelligenz messbar. Zum Teil gilt diese Aussage als umstritten, da Faktoren wie Nervosität, Übermüdung und Angst vor Versagen das Testergebnis stark beeinflussen können. Auch die sehr unterschiedlichen Gewichtungen der aktuellen Tests lassen unterschiedliche Ergebnisse entstehen, da sie je nach Art des Tests variieren können.
Der erste erfolgreich eingesetzte Intelligenztest stammt bereits aus dem Jahre 1904 und wurde von Alfred Binet entwickelt. Binet entwickelte den Test aus der Not heraus, da ein Einstufungstest für Schulkinder benötigt wurde, der nach Möglichkeit unabhängig vom Alter des Kindes sein sollte.
David Wechsler schaffte es, durch Anwendung seiner Skalierung auch eine Anwendung bei Erwachsenen zu ermöglichen. Der Mittelwert 100 gilt als Ausgangspunkt. Ergebnisse die sehr stark vom Mittelwert abweichen werden zusätzlich mit weiteren Tests untersucht.
Heute gibt es zahlreiche Intelligenztests. Viele der Tests enthalten Grundstrukturen, die von Binet, Stern und Wechsler geschaffen wurden. Die Gewichtung der heute gängigen Tests unterscheidet sich jedoch erheblich, woraus auch unterschiedliche Testergebnisse hervorgehen. Die Wahl des Tests wird meist durch die Vorliebe des behandelnden Arztes getroffen. Meist hat der Patient keine Wahlmöglichkeit.
Komponenten
Die wichtigsten drei Komponenten die bei einem Intelligenztest einfließen, spiegeln sich in allen Tests wieder. Die Fähigkeit mit Abstraktionen umzugehen, die Fähigkeit Probleme nachzuvollziehen und zu lösen und die Fähigkeit zu lernen. Snyderman und Rothman beziehen zusätzlich die Situationsbewältigung heran. Viele Talente und Fähigkeiten finden in der IQ-Messung wenig Beachtung. Äußere Einflüsse können kaum gewertet werden, sodass Intelligenztest nur innerhalb einer Kultur wirklich aussagefähig sind. Doch auch die persönlichen Verhältnisse des Testkandidaten haben starken Einfluss auf die Testergebnisse und so kann nur verglichen werden, wenn gleiche Grundstrukturen vorhanden sind.
Die drei Grundkomponenten können zum Teil erlernt werden. Durch Übung kann das Testergebnis bei einem zweiten Test nach oben hin abweichen. Emotionale Intelligenz wird kaum gewertet, obwohl diese für den Lebensalltag eine wichtige Rolle spielt.
Konstruktionen und Gewichtungen
Der ursprüngliche Intelligenztest von Binet, besteht aus sogenannten Subtests. Die Grundstruktur der Subtests wird bis heute genutzt. Ein Bereich behandelt Fragen und Probleme des Alltags und der andere Teil aus logischen und mathematischen Aufgabenstellungen. Grundvoraussetzung ist die Fähigkeit die sprachlichen Anweisungen zu verstehen und umsetzen zu können.
John C. Raven entwickelte 1956 einen Intelligenztest der sprachliche Barrieren umgehen sollte. Schnell stellte sich heraus, dass unterschiedliche Kulturen auch unterschiedliche Denkansätze und Sichtweisen haben und somit auch dieser Test nicht kulturell unabhängig gewertet werden kann.
David Wechsler untergliederte seinen Intelligenztest in elf Teilabschnitte und testete somit sowohl Allgemeinwissen, Wortschatz, rechnerisches Denken, audio-visuelle Aufnahmefähigkeit und Abstraktionsvermögen. Trotz neuer Testverfahren wird dieser Test sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern heute noch häufig angewendet, da er eine hohe Zuverlässigkeit garantiert.
Das Intelligenzmodell, welches Catell 1963 erarbeitete, unterscheidet zwischen der fluiden Intelligenz und der kristallinen Intelligenz. So wird die angeborene Leistungsfähigkeit bewertet und zusätzlich das Erlernte beleuchtet.
Auch der sogenannte Intelligenz-Struktur-Test von Rudolf Amthauer ist im deutschen Sprachraum weit verbreitet. Auch der MWT Kurz-Test von Siegfried Lehrl wird gerade bei klinischen Untersuchungen vielfach herangezogen, da er in seiner Kürze sehr aussagefähige Ergebnisse liefert und somit für den Klinikalltag bestens geeignet ist.
Anwendungsbereiche
IQ-Tests werden heute oft zum Spaß und zur Selbsterkenntnis gemacht. Das Ziel Binets war allerdings kein Unterhaltungstest. Grundsätzlich dienten die Tests dazu, die Intelligenz von Schulkindern zu testen. Heute werden die Tests noch häufig in pädagogischen Bereichen eingesetzt, sowohl an Schulen als auch an Universitäten. Leider finden die Tests oft zu spät statt, was an der mangelnden Fortbildung der Lehrkräfte liegt. Auch in psychologischen Bereichen werden oft Intelligenztests verwendet. Im medizinischen Bereich werden Intelligenztests oft zur Diagnoseuntermauerung heran gezogen, sodass bestimmte Krankheitsbilder bestätigt oder ausgeschlossen werden können. Beliebt sind Intelligenztests (seit den 80er Jahren) auch im Bereich der Personalauswahl, hier wird häufig zu Kurztests gegriffen um die Stärken und Schwächen der Bewerber beurteilen zu können.
Intelligenztest bei Kindern
Intelligenztests bei Kindern sind ein sehr umstrittenes Thema. Sicher gibt es auch verschiedene Altersgrenzen ab wann ein Test sinnvoll erscheint. Verschiedene Institutionen bieten den Test bereits ab einem Alter von vier Jahren an. Gerade bei Kindern spielt sicher das soziale Umfeld eine große Rolle und Testergebnisse werden sehr stark von bereits erlerntem beeinflusst.
Ab einem Alter von sechs Jahren (Einschulung) werden Intelligenztests durchgeführt. Gerade bei „hyperaktiven“ Kindern oder auch Kindern mit Neurodermitis zeigen die Tests häufig eine überdurchschnittliche Intelligenz. Somit wird häufig das „Krankheitsbild“ von Unterforderungen beeinflusst. Werden diese Kinder richtig gefördert und optimal gefordert, so reduzieren sich die Symptome oft auf ein Minimum, denn Unterforderung führt immer wieder zu einer Verschlimmerung der Symptome.
Auch gilt als erwiesen, dass schlechte Schulleistungen nicht immer im Zusammenhang mit mangelnder Intelligenz steht. Häufig gibt es Schüler mit überdurchschnittlicher Intelligenz und schlechten schulischen Leistungen. Gerade in diesem Bereich ist eine hohe Dunkelziffer zu vermuten.
Aus medizinischer und pädagogischer Sichtweise wird bei Verhaltensauffälligkeiten zu einem Intelligenztest geraten. Auffälliges Verhalten kann sowohl das soziale Verhalten sein, als auch ein starker Leistungsabfall. Gerade ein starker Leistungsabfall zeigt oft eine Unterforderung an.
Intelligenztest als Trend
Während der Intelligenztest früher nur aus einer Notwendigkeit heraus durchgeführt wird, scheint er seit Mitte der 90er Jahre einem Trend zu unterliegen. Sicher liegt dies auch daran, dass die Generation die in den 70er Jahren geboren wurde, eine hohe Selbstbezogenheit zeigt und sich wie keine andere Generation mit sich selbst auseinandersetzt. So greifen Fernsehshows den Trend auf und fragen: „Wie schlau ist Deutschland?“.
Mediziner und Psychologen sehen den Trend der Spaßtests eher kritisch. Die Testabläufe und die Ergebnisse werden eher als zweifelhaft gewertet. Auch Internet-Intelligenztests werden in Fachkreisen skeptisch gesehen und werden nur belächelt. Allerdings ist auch bei Medizinern der Trend zu Intelligenztests deutlich zu spüren. Immer häufiger werden Intelligenztests genutzt um Ursachenforschung zu betreiben.
Medizinischer Intelligenztest
Leider gibt es auch im medizinischen Bereich keinen allgemeingültigen Test. So kommen sehr unterschiedliche Testvarianten zum Einsatz. Um eine Diagnose stellen zu können, berücksichtigen Mediziner zahlreiche Außeneinflüsse und setzen sich gezielt mit dem Verhalten des zu Testenden auseinander, dies ist auch der große Unterschied zu Spaßtests.
Oft stellen Mediziner eine „Hochbegabung“ des Patienten fest. Gerade Desinteresse ist hier ein starkes Anzeichen. Oft ziehen sich hochbegabte Menschen von ihrem Umfeld zurück oder bringen sich selbst in ein „Außenseiterdasein“. Oft resultieren schwache Leistungen, Unzufriedenheit und Perfektionismus aus der Rolle des Außenseiters. So kommt es zu einem Leidensdruck über Jahre und es kommt es oft zu psychischen Auswirkungen. Die psychischen Auswirkungen sind häufig sehr tief greifend und bedürfen einer umfangreichen Behandlung. Auch Krankheitsbilder wie ADHS und ADS, Teilleistungsschwäche, Legasthenie oder Dyskalkulie und Neurodermitis sind oft Begleiterscheinungen einer Hochbegabung. Das Asperger-Syndrom und das Borderline-Syndrom sind die gefährlichsten Ausprägungen von Verhaltensauffälligkeiten bei hochbegabten Menschen.
Internet Intelligenztest
Sehr beliebt seit Jahren sind Internet Intelligenztests. Von Fachkreisen nicht gerne gesehen, wurden diese Tests zum Trend. Hier kann jeder sein IQ testen. Viele Anbieter werben mit kostenlosen Tests, doch ein genauer Blick lohnt.
Zwar sind die meisten Angebote seriös, aber schwarze Schafe haben sich schon lange auf diesem Markt breit gemacht. Ein Blick in die AGBs des jeweiligen Anbieters sollte eine Pflichtübung sein. Auch ein Preisvergleich ist anzuraten, da die Preise für ein ausführliches Testergebnis von zehn Euro bis 78 Euro und mehr variieren. Von der Qualität sind die meisten Tests gut und bieten den ein oder anderen sinnvollen Hinweis auf Stärken und Schwächen der Testperson. Allerdings sollte man die Tests grundsätzlich nicht überbewerten.
Intelligenz und Außeneinflüsse
75 Prozent der Intelligenz ist genetisch bedingt und 25 Prozent der Intelligenz unterliegt den äußeren Einflüssen. Um Intelligenz zu fördern ist Elternhaus und Schule der wichtigste Punkt. So sollten Eltern und Lehrer immer nach einem gemeinsamen Weg zur Förderung zu suchen.
Hierbei sollte klar sein, dass erlerntes Wissen nicht mit Intelligenz gleichzusetzen ist. Umwelteinflüsse spielen eine große Rolle. Während in Deutschland sehr viele Automarken bekannt sind, kann es sein, dass jemand aus dem asiatischen Raum nur zwei Automarken kennt. Diese Tatsache liegt daran was die Umwelt anbietet und nicht an der Intelligenz der Person. Intelligenztests sind immer landestypischen und kulturellen Einflüssen unterworfen, da die Grundvoraussetzungen sehr unterschiedlich sind.
Krankheitsbilder
Krankheitsbilder haben im Normalfall keinen Einfluss auf den IQ und beeinflussen so auch nicht die Testergebnisse. Allerdings treten einige Krankheiten häufig im Zusammenhang mit einer hohen Intelligenz auf. Meist hat dies jedoch psychische Ursachen, da sich Menschen die sich nicht im Normbereich bewegen häufig von ihrer Umwelt zurückziehen und sich unverstanden fühlen.
Krankheitsbilder wie Alzheimer und Demenz beeinflussen natürlich die Testergebnisse negativ und so kann bei bestimmten Krankheitsbildern kein zuverlässiges Testergebnis erzielt werden.
Soziale Herkunft
Die soziale Herkunft der getesteten Person spielt eine keine untergeordnete Rolle. So zeigen Statistiken aus aller Welt, dass Kinder aus der Mittelschicht einen höheren Testwert erreichen als Kinder aus der Unterschicht und auch Stadtkinder schneiden im Durchschnitt mit einem höheren Wert ab als Landkinder. Dies liegt an der Förderung und den Reizen, die das Umfeld bietet. Klar sollte hier jedoch sein, dass zwar unterschiedliche Testergebnisse entstehen, dies aber durch Umwelteinflüsse und nicht durch genetische Voraussetzungen.
Gerade die ethnische Herkunft spielt bei den Testergebnissen eine sehr große Rolle. So zeigen Ergebnisse in den USA einen deutlichen Einfluss. Bestimmte Gruppen haben Vorurteile gegen den Intelligenztest. Durch Vorurteile werden die Tests häufig nicht ernsthaft genug ausgefüllt, was zu schlechten Ergebnissen führt. Auffällig sind hier regionalen Unterschiede. Daraus resultiert ein großer Einfluss des Gesamtumfelds auf die Testergebnisse.
Schulbildung
Die Schulbildung und Förderung durch das schulische Umfeld beeinflusst Testergebnis eines Intelligenztests. Einige Wissenschaftler sehen ganz klar ein Zusammenhang zwischen der mathematischen Intelligenz und der allgemeinen Intelligenz. Diese These ist allerdings sehr umstritten und führt immer wieder zu Diskussionen in Fachkreisen.
Da die gängigen Intelligenztests auf sprachliche Vorbildung und mathematische Grundkenntnisse setzen ist eine Schulbildung Grundvoraussetzung. Menschen mit sehr niedriger Schulbildung schneiden bei Intelligenztests auf sprachlicher Basis schlechter ab als bei Tests die ohne die das sprachliche Verständnis auskommen.
„Wunderkinder“
Kinder und Erwachsene mit einem IQ über 130 werden häufig als Wunderkinder bezeichnet. Diese Menschen brauchen eine gezielte Förderung. Nur mit einer geeigneten Förderung können sie mit ihrem „Anderssein“ auf Dauer glücklich werden. Zahlreiche Filmberichte und Buchveröffentlichungen versuchen einen Einblick in das Thema zu geben. Oft werden Möglichkeiten der Förderung gezeigt. Besonders wichtig ist für hochbegabte Kinder ist der Halt durch das Elternhaus. Die Akzeptanz von Mitschülern und Freunden fehlt sehr häufig und die Talente werden oft versteckt.
Durch Langeweile, Ignoranz von Mitschülern und ständiger Unterforderung kommt es häufig zu einem starken Leistungsabfall. Unzufriedenheit macht sich sehr schnell breit und Anforderungen an sich selbst und die Umwelt steigen ins Unermessliche.
Aber auch Kinder mit einem durchschnittlichen IQ können unter die Kategorie „Wunderkinder“ fallen. Besondere Begabungen für einen bestimmten Teilbereich sollten stets gefördert werden. Leider werden sehr oft Begabungen von Lehrern und Eltern nicht wahrgenommen, was zu frustrierten Heranwachsenden führt.
Oft haben Eltern und Pädagogen Angst, dass durch spezielle Förderungen den Kindern die Kindheit genommen wird. Kinder mit besonderen Begabungen leiden verstärkt an der Unterforderung, aber sehr selten an zu hohen Anforderungen, dies sollten sich Eltern und Pädagogen zu Herzen nehmen.
Schulversagen durch hohen IQ
Hohe Intelligenz im Schulalltag geht oft unter. Werden intelligente Schüler nicht gefördert kommt es oft zu Frustrationen. Immer wieder kommt es zu einem Leistungsabfall bei Hochbegabten. Nur acht Prozent der Lehrkräfte in Deutschland können eine Aus- und Weiterbildung im Bereich Hochbegabung absolvieren. Rund 85 Prozent der restlichen Lehrkräfte bekunden starkes Interesse an Weiterbildungen in diesem Bereich. Nur mit einer entsprechenden Ausbildung können Lehrkräfte hochbegabte Kinder gezielt fördern.
Eltern und Lehrer sind in der Verantwortung Unterforderungen zu erkennen und den Kindern spezielle Angebote zu unterbreiten. Neue Herausforderungen sind für hochbegabte Schüler ein absolutes Muss. Immer noch gibt es zahlreiche Kinder mit einer überdurchschnittlichen Intelligenz die einen durch Frust dominierten Alltag an Deutschlands Hauptschulen fristen. Viele hochbegabte Kinder gehen von der Schule ohne einen qualifizierten Abschluss zu erreichen. Fördermöglichkeiten wurden in den letzten Jahren stark verbessert, aber es besteht immer noch ein hoher Nachholbedarf.
Fördermöglichkeiten
Die Fördermöglichkeiten für Hochbegabte sind ein breit gefächertes Feld und beginnen schon im Kindergartenalter. Wenn Erzieherinnen auch mit Kindern die eine schnelle Auffassungsgabe haben und einer deutlich niedrigeren Frustrationsgrenze gut klar kommen, zeigt dies, dass eine entsprechende Förderung der Kinder vorhanden ist.
Die Karg-Stiftung hat sich in Deutschland einen Namen in der Hochbegabtenförderung gemacht. Viele Schulen werden gefördert und ein Netzwerk an Grundschulen (sogenannte Impulsschulen) für hochbegabte Kinder ist im Aufbau.
Auch Vereine und Selbsthilfegruppen, die den Austausch von Betroffenen ermöglichen, geben Hilfestellungen. Eine Datenbank aller Hochbegabten-Einrichtungen und -Vereine findet sich auf der Internetpräsenz der Karg Stiftung. Hier stellen sich alle Einrichtungen vor und berichten über die angebotenen Förderungsmodelle.